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Volkssolidarität warnt vor Überalterung des Ostens


VS (pm). Die Ergebnisse der vergangenen Woche vorgestellten Studie "Vielfalt der Einheit" des Berlin-Instituts zeigen zum einen, wo Ost- und Westdeutschland sich in den vergangenen 30 Jahren einander angeglichen haben. Und sie belegen gleichzeitig weiterhin bestehende Unterschiede zwischen den beiden Landesteilen, die bisher noch nicht überwunden werden konnten.

"Besonders dramatisch ist die Prognose des Instituts für die Bevölkerungsentwicklung im Osten", sorgt sich Dr. Wolfram Friedersdorff, Präsident der Volkssolidarität. "Durch die geringe Geburtenrate in den Neunzigern und annähernd 1,9 Millionen Abgewanderte ist der Anteil junger Menschen, besonders in den ostdeutschen Flächenländern rasant gesunken – trotz der inzwischen wieder ausgeglichenen Geburtenrate. Das führt dazu, dass wir beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Sachsen-Anhalt bis zum Jahr 2035 jeden vierten Erwerbstätigen verlieren werden. In vielen ostdeutschen ländlichen Regionen werden bis dahin etwa 40 Prozent der Bevölkerung älter als 64 Jahre sein. Die Auswirkungen für die Wirtschaftskraft, den Fachkräftebedarf und die Pflegekapazitäten werden im Osten dann besonders schmerzhaft spürbar sein."

Die Studie zeigt auch, dass die Lebenserwartung in Deutschland nicht mehr allein zwischen Ost und West differiert, sondern vor allem hinsichtlich der sozialen Lage. Wolfram Friedersdorff warnt auch hier: "Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander, egal ob wir uns sozial schwache Regionen in Ost oder West anschauen. Das hat direkten Einfluss auf das Lebensalter der Menschen. Die Entwicklung ist gesamtdeutsch fatal. Aber wir haben es in 30 Jahren nicht geschafft, das Einkommen der Ostdeutschen an das Westniveau anzugleichen. Das führt natürlich in vielen strukturschwachen Regionen Ostdeutschlands, die zudem von einem hohen Niedriglohnbereich geprägt sind, zu einer geringeren Lebenserwartung. Ein Leben im Osten darf nicht mehr in diesem Umfang zu Benachteiligung von Wohlbefinden und Gesundheit führen."

Gleichzeitig hebt der Präsident die besondere Vorbildwirkung ostdeutscher Frauen bei der Erwerbsarbeit hervor: "Für ostdeutsche Mütter ist es meist selbstverständlich, berufstätig zu sein und die eigenen Kinder während der Arbeitszeit in Krippen und Kindergärten unterzubringen. Das belegt auch der im Osten deutlich geringer ausgeprägte Gender Pay Gap. In manchen Regionen verdienen Frauen hier im Durchschnitt sogar mehr als die Männer, wenn auch auf einem insgesamt niedrigen Lohnniveau. Davon sind die Frauen in Westdeutschland trotz annähernd gleich häufiger Erwerbsarbeit leider noch weit entfernt. Ziel ist hier für uns als Volkssolidarität eine gesamtdeutsche Gleichstellung von Männern und Frau im Lohn- und Gehaltsniveau. Hierfür setzen wir uns, neben familiengerechten Arbeitszeitmodellen für beide Geschlechter, im Westen vor allem für genügend und kostengünstige Plätze in der Kindertagesbetreuung von Krippe bis Hort ein. Im Osten müssen wir zudem weiter entschlossen gegen Niedriglöhne und prekäre Arbeitsverhältnisse vorgehen."

Eingetragen am 14.09.2020 um 15:41 Uhr.
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